Quelle: Ein Sicherheitsdatenblatt zu Flusssäure. URL: https://www.carlroth.com/medias/SDB-HN54-DE-DE.pdf?context=bWFzdGVyfHNlY3VyaXR5RGF0YXNoZWV0c3w0MTcyOTF8YXBwbGljYXRpb24vcGRmfGFEVmhMMmhrTlM4NU1qSXpOekV4TlRJeU9EUTJMMU5FUWw5SVRqVTBYMFJGWDBSRkxuQmtaZ3xjZmRhZGYyZTdjNzUwZTZkOTczMjk3MjliMzg0MWVmMDQ0YWYxOTM5ZTE1NjVmMzA4OTExZmY2ZjQ4ODhhYWY4
Auch lustig:
Im Brandfall können entstehen: Fluorwasserstoff (HF)

Die brennt nicht mal, wenn man die sich überschüttet. Und das ist das fiese daran. Denn man merkt nicht mal, wenn man sich damit verätzt. Und zusätzlich dazu, dass das Zeug übelst ätzend ist, ist es auch noch giftig. Eine handflächengroße Flussäureverätzung reicht, um einen Menschen umzubringen.
Puh, d. h. bei grösserer Verätzung lieber Extremität amputieren? Oder kann da ein Krankenhaus noch was unternehmen?
Teilweise ja. Es kommt aber wohl stark darauf an, wie schnell man Maßnahmen einleitet. Es gibt in entsprechenden Laboren eine Erste-Hilfe-Tasche allein für Flusssäureunfälle, in der soweit ich mich erinnere insbesondere Calciumhaltige Cremes (Calciumgluconat, für Hautkontakt), sowie Inhaliersprays (bei Einatmen), Schlucklösungen und Augenspüllösungen eingepackt sind. Die appliziert man dann durchgängig bis man ins Krankenhaus gebracht wird, am besten eins, das extra HF-Erfahrung hat. Ich musste manchmal auf der Arbeit mit Flusssäure arbeiten, entsprechend wird auf richtiges Erste-Hilfe-Verfahren in der jährlichen Sicherheitsunterweisung eingegangen. Dort wurde auch ein Fall erwähnt, bei dem eine Hand amputiert werden musste, obwohl die Verätzung wahrscheinlich gar nicht so groß war. Dafür war die Person aber auch erst am folgenden Tag im Krankenhaus und hat nicht direkt auf die Arbeit mit Flusssäure hingewiesen. Besonder fies ist bei Flusssäure halt wirklich, dass man es gerade bei kleinen Mengen nicht so schnell merkt und die Symptome auch mit, glaube ich, bis zu zwei Tagen Verzögerung auftreten können.
Puh, und das schwimmt in deutschen Flüssen? D:
Ich musste manchmal auf der Arbeit mit Flusssäure arbeiten,
Darf man erfahren, was du damit zu tun hattest?
Klar :) Ich forsche an Halbleitern und auf Silizium bildet sich an Atmosphäre ein dünner nativer Oxidfilm. Wenn man präzise elektrische Messungen machen will, ist diese Isolationsschicht störend und muss entfernt werden. Ich musste zum Glück immer nur mit ziemlich verdünnter Säure arbeiten, aber das macht einen schon nervös genug. Ich hab mir immer die nächsten 10 Stunden nach der Prozedur eingebildet, dass vielleicht meine Hand juckt und ich doch einen Tropfen übersehen habem könnte, obwohl ich rational wusste, dass durch die dicken Handschuhe nichts durchgekommen sein kann. Bei ein paar Kolleg:innen in der Siliziumtechnik nutzt man das Zeug auch teilweise als Dampf, wenn z.B. freihängende Strukturen erstellt werden sollen (MEMS Beschleunigungssensoren und ähnliches).
Witzigerweise musste meine Frau bei ihrer vorigen Arbeit auch super viel mit HF auflösen, um Erze und solche Sachen auf ihre Zusammensetzung zu analysieren. In der Firma waren aber alle komplett desensibilisiert und manche haben als einzige “Schutzmaßnahme” ihre Ärmel hochgekrempelt.
Danke.
ist diese Isolationsschicht störend und muss entfernt werden
Mein Chemiewissen reicht nicht, um diese Aussage sinnvoll zu machen. Wieso gehen dafür denn nicht andere Säuren, die wenigstens nicht noch giftig wären? Ätzt die Säure nicht auch das gediegene Silizium weg?
Mein Chemiewissen ist zugegebenermaßen jetzt auch nicht so strahlend und ich kenne mich jetzt auch nicht gut mit den Unterschieden zwischen verschiedenen Säuren aus. Ich habe aber eine kurze Infobroschüre von MicroChemicals zum Si/SiO2 ätzen gefunden. Die beliefern ganz viele Forschungseinrichtungen mit Chemikalien für Halbleiterfertigung und haben immer ganz gute Infos und in der Broschüre steht:
Hydrofluoric acid (HF) is the only wet-chemical medium with which SiO2 can be isotropically etched at a reasonable rate.
Hilfreich ist dabei auch, dass reines Silizium wiederum sehr schwach von HF geätzt wird (hohe Selektivität). D.h. dass du sehr gezielt diese amorphe Oxidschicht entfernst, den Kristall darunter aber nicht schädigst. Fürs Ätzen von reinem Silizium wird dieses häufig oxidiert, um dann das entstandene SiO2 zu entfernen. Was noch eine Option wäre, wäre wahrscheinlich ein Plasmaätzschritt. Das geht entweder auch mit chemischer Reaktion oder physikalisch, indem du einfach mit relativ schweren Edelgasatomen die oberen Atomlagen wegballerst (“Sputterätzen”). Das ist aber wenig selektiv, frisst ne Menge Energie und kann die Oberfläche beschädigen. Außerdem ist das ein anisotroper Prozess, d.h. ich ätze in eine Richtung wesentlich stärker als in die andere. Das ist nicht immer gewollt.
Steht übrigens auch alles im verlinkten Sicherheitsdatenblatt, @Randelung@lemmy.world

Es ist viel witziger, sich hier mit anderen Leuten Horrorszenarien auszudenken :D
Amputieren ist die bessere Form, aber musst halt schnell genug sein bevor die Fluoridionen sich im Körper schon verteilt haben.
Außerdem kann man Calciumgluconat auf die Wunde geben, das bindet die Fluoridionen.
Keine Ahnung, wie genau man Flussäureverätzungen behandelt (und will das auch nicht unbedingt herausfinden), ich weiß nur, wie gefährlich die sind.
Für kleinere Flächen: Calciumgluconat drauf.
Und vorher mit der Bürste schrubben bis es blutet. So wurde es uns damals beigebracht.
Die Pfostierungs-Historie von diesem Zuhausy ist verdächtig.
Nur Zufall und ein bisschen Witz.
Hörst du, Palantir? DAS IST EIN WITZ! Ich habe nicht nur hypothetisch kein Interesse daran, Friedrich Merz nicht mit Flusssäure zu vergiften!
Natronlauge Caesiumchlorid Flusssäure
… ganz normaler Wocheneinkauf, oder?
Fluorwasserstoff ist ja kein spaß. Der kann sich buchstäblich durch den Becher fressen
Omnomnom






